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Energieausweis in Österreich: HWB verstehen, neue Klassen 2026

Aktualisiert: 2026-08-02 · Lesezeit: 8 Min. · ImmoLens Redaktion

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Dieser Beitrag wurde von der ImmoLens Redaktion erstellt und zuletzt am 2026-08-02 fachlich überprüft. Angaben dienen der Orientierung und ersetzen keine Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung.

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Der österreichische Energieausweis funktioniert anders als der deutsche, und wer die Kennzahlen verwechselt, schätzt ein Haus schnell zwei Klassen zu gut ein. Die zentrale Zahl ist der HWB (Heizwärmebedarf), nicht der deutsche Endenergiebedarf. Und seit dem 1. Juli 2026 gilt eine neue Rechtslage: Inserate müssen HWB, Endenergiebedarf und die Effizienzklasse nennen, und neue Ausweise tragen eine neue Skala von A bis G.

Was der HWB wirklich misst

Der HWB gibt an, wie viel Wärme die Räume eines Gebäudes pro Quadratmeter und Jahr benötigen, also die Qualität der Gebäudehülle. Verluste der Heizungsanlage sind darin nicht enthalten. Deshalb ist ein österreichischer HWB von 100 nicht mit einem deutschen Endenergiebedarf von 100 vergleichbar: Der deutsche Wert enthält die Anlagentechnik, der österreichische nicht. Die passendere Vergleichsgröße zum deutschen Wert ist der EEB (Endenergiebedarf), der seit der Novelle ebenfalls im Inserat stehen muss. Daneben weist der Ausweis den Primärenergiebedarf (PEB) und die CO2-Emissionen aus; der früher übliche Gesamtenergieeffizienz-Faktor (fGEE) ist mit der Ausgabe 2025 der OIB-Richtlinie 6 abgeschafft.

ℹ️ In Österreich wird der Energieausweis immer nach der OIB-Methodik berechnet. Den deutschen Dualismus aus Bedarfs- und Verbrauchsausweis, bei dem sparsame Vorbewohner ein schlechtes Haus gut aussehen lassen können, gibt es nicht. Ein österreichischer Ausweis beschreibt das Gebäude, nicht das Heizverhalten.

Zwei Skalen im Umlauf: alt und neu

Mit der OIB-Richtlinie 6 in der Ausgabe 2025 wurde die Skala auf A bis G umgestellt (Umsetzung der EU-Gebäuderichtlinie). Zusätzlich gilt: Ein Gebäude mit fossilem Heizsystem kann kein A mehr erreichen. Bestehende Ausweise nach der Ausgabe 2019 mit der Skala A++ bis G bleiben aber bis zum Ende ihrer zehnjährigen Gültigkeit in Umlauf, und die Umsetzung der neuen Ausgabe läuft über die Landesbauordnungen, also je Bundesland unterschiedlich schnell. Beim Vergleich zweier Inserate musst du deshalb wissen, auf welcher Skala die Klasse steht:

Neue Skala (OIB RL 6, Ausgabe 2025)

KlasseHWB in kWh/m²a
Abis 40
Büber 40 bis 60
Cüber 60 bis 75
Düber 75 bis 85
Eüber 85 bis 100
Füber 100 bis 120
Güber 120

Alte Skala (Ausgabe 2019, Bestandsausweise)

KlasseHWB in kWh/m²a
A++bis 10
A+bis 15
Abis 25
Bbis 50
Cbis 100
Dbis 150
Ebis 200
Fbis 250
Güber 250

Ein HWB von 110 ist auf der alten Skala eine mittlere Klasse D, auf der neuen ein schlechtes F. Dieselbe Zahl, zwei sehr verschiedene Botschaften. Verlass dich deshalb nie auf den Klassenbuchstaben allein, sondern immer auf den HWB-Wert selbst.

Deine Rechte als Käufer: Vorlagepflicht und Strafen

Das Energieausweis-Vorlage-Gesetz (EAVG 2012) verpflichtet Verkäufer und Vermieter, den Ausweis rechtzeitig vor deiner Vertragserklärung vorzulegen und binnen 14 Tagen nach Vertragsabschluss auszuhändigen. Schon im Inserat müssen seit Juli 2026 HWB, EEB und die Klasse stehen. Fehlen die Angaben, drohen Verkäufer und Makler Verwaltungsstrafen bis 1.450 Euro. Der Ausweis gilt maximal zehn Jahre.

⚠️ Achtung: Anders als in Deutschland befreit Denkmalschutz in Österreich nicht von der Vorlagepflicht. Ausgenommen sind nur wenige Fälle wie abbruchreife Objekte, saisonal genutzte Ferienhäuser, Gebäude für religiöse Zwecke oder freistehende Gebäude unter 50 m². Lass dir bei einem normalen Wohnobjekt den Ausweis also nicht mit Verweis auf das Alter des Hauses ausreden.

Wer stellt ihn aus und was kostet er?

Ausstellen dürfen unter anderem Ziviltechniker der einschlägigen Fachrichtungen, Baumeister, Ingenieurbüros und einschlägige Gewerbetreibende; für bestehende Wohngebäude auch Rauchfangkehrer. Die Details regeln die Landesbauordnungen. Seit der Ausgabe 2025 ist eine Besichtigung des Objekts verpflichtend. Die Kosten sind frei vereinbar; marktüblich sind grob 100 bis 200 Euro für eine Wohnung und 250 bis 600 Euro für ein Einfamilienhaus, ohne behördlich festgelegten Tarif.

💡 Tipp: Die ImmoLens-Analyse erkennt bei österreichischen Objekten den HWB und wendet die österreichische Klassenlogik an, statt deutsche Bänder auf den Wert zu legen. Steht die Klasse explizit im Inserat oder Ausweis, hat sie Vorrang. Lade den Energieausweis einfach als PDF mit hoch, dann fließt der exakte Wert in Zustand, Sanierungsszenarien und Preisbewertung ein.

Quellen

Stand: 02.08.2026. Alle Angaben ohne Gewähr; maßgeblich sind EAVG, OIB-Richtlinie 6 und die Landesbauordnungen.

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